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TESTAT DER WIRTSCHAFTLICHEN STABILITÄT NACH PQ+

Neben der juristischen Zuverlässigkeit und der technischen Kompetenz sind beim nationalen Präqualifizierungsverfahren PQ VOB als Nachweis für die wirtschaftliche Stabilität die Umsatzzahlen der letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahre sowie die jeweiligen Bausummen der eingereichten Referenzen anzugeben.


Diese Angaben sind ein Anhalt, sie bieten jedoch nicht die vielfach erforderliche Sicherheit, dass das beauftragte Bauunternehmen nicht schon während der Bauzeit in Insolvenz geht - mit entsprechend negativen Folgen für den Bauherrn. Deshalb bietet die DQB in Zusammenarbeit mit der VHV ein langjährig erprobtes und bewährtes Bewertungsverfahren an, das detailliert die wirtschaftliche Situation des Bauunternehmens analysiert und eine sehr zuverlässige Prognose hinsichtlich dessen Stabilität gibt.
Beim Einsatz von Baufirmen mit dem Zertifikat PQ+ kann ohne weitere Überprüfung eine Baufertigstellungs- und Baugewährleistungs-Versicherung der VHV abgeschlossen und damit das Ausfallrisiko ausgeschlossen werden.

Dazu meint der langjährige Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie Hessen-Thüringen, RA Eckart Drosse:


Aus zwei wesentlichen Gründen ist das Testat der wirtschaftlichen Stabilität für den Fortschritt des Bauwesens und das Verhältnis von Auftraggebern und Auftragnehmern wichtig. Zum einen gehört es zur Umgangskultur, zur Vertrauensbildung und zu solidem Vertragsverständnis, wenn sich die Partner in so komplizierten Gefügen wie dem von Bauverträgen gegenseitig eine weitgehende Sicherheit geben, zahlungsfähig und leistungsfähig zu sein. Dazu gehört die Vermittlung der Prognose, dass der jeweilige Bieter in der Lage ist, seinen vertraglichen Pflichten in Erfüllung und Gewährleistung nachzukommen. Dies ist gerade in der heutigen Zeit auch eine Wettbewerbschance für den soliden Baubetrieb.


Zum anderen fordern die Auftraggeber generell und unabhängig vom Projekt, der Größe der Baumaßnahme und Bonität des Bieters Sicherheiten durch Einbehalt oder Hinterlegung von Geld oder Bürgschaften. Dies ist  insgesamt teuer und – unterstellt man die Weitergabe der Kosten an den Auftraggeber – baukostensteigernd. Im Einzelfall der Insolvenz eines Unternehmens zeigen sich im Zweifel die in der Regel vereinbarten fünf Prozent der Vertragssumme noch nicht einmal als ausreichend. Problematisch ist darüber hinaus die hohe Belastung der Kreditlinie des Bauunternehmens, die sich unter Umständen sogar existenzgefährdend auswirken kann. Gemessen an dem Verhältnis von gewährten und in Anspruch genommenen Bürgschaften ist der Aufwand für den Auftraggeber zudem viel zu hoch, wie verschiedene Untersuchungen beweisen.

Die DQB bietet als unabhängige Serviceleistung für bei der DQB präqualifizierte Unternehmen den Nachweis der wirtschaftlichen Stabilität an. Die Unternehmen, denen die vorgeschriebene juristische Zuverlässigkeit und technische Kompetenz testiert wurden, werden auf Wunsch auch anhand der von der DQB festgelegten Kriterien auf ihre wirtschaftliche Stabilität geprüft. Die Durchführung erfolgt über die VHV Versicherung, die über langjährige, anerkannte Erfahrungen durch ihr Rating für das Bürgschaftswesen und die Kautionsversicherung verfügt. Die durch die DQB bescheinigte wirtschaftliche Stabilität bietet dem Bauunternehmen darüber hinaus einen zusätzlichen Nutzen. Wenn das Unternehmen bei der VHV für ein konkretes Bauprojekt die Baufertigstellungs- und Baugewährleistungsversicherung abschließen will, verzichtet die VHV auf eine erneute Prüfung der Bonität, es wird lediglich das Bauvorhaben geprüft.
Diese Versicherung ist nicht neu. Es gibt sie in Frankreich seit langem, hierzulande im sehr speziell bezogen auf den Generalübernehmer- und Bauträgerbereich. Der Auftraggeber  erkennt an dem Testat, dass ein bedeutender Bauversicherer bereit ist, für die Stabilität des Auftragnehmers einzustehen. Bedeutender Vorteil für den Auftraggeber ist die Umfänglichkeit:

  • Die Entschädigungsleistung des Versicherers bei der Baufertigstellungs-Versicherung richtet sich nach den Kosten, die zur Erfüllung des ursprünglichen Vertrages entstehen,
  • errechnet sich aus den Mehrkosten, die dem Bauherrn für die vertragsgemäße Fertigstellung des Bauvorhabens abzüglich noch nicht geleisteter Zahlungen entstehen,
  • steht bis zur Deckungssumme (max. 20 % der Nettobausumme) zur Verfügung.


Bei der Baugewährleistungs-Versicherung

  • richtet sich grundsätzlich die Entschädigungsleistung nach den Kosten, die zur Beseitigung der Mängel einschließlich aller Nebenkosten erforderlich sind,
  • erfolgt die Entschädigungsleistung auf Selbstkostenbasis, selbstverständlich ohne den kalkulatorischen Ansatz von Wagnis und Gewinn,
  • steht die Entschädigungsleistung bis zur Höhe der vertraglich vereinbarten Deckungssumme zur Verfügung.


Diese Variante der Besicherung des Auftraggebers ist eine wichtige und zukunftsweisende Innovation für die Baubranche und führt in eine neue Dimension partnerschaftlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit der Baubeteiligten. Sie ist interessant für öffentliche wie für private Auftraggeber. Sie lässt Wettbewerb offen, aber schafft klare Verhältnisse. Sie bezieht die Kosten auf das Projekt, grenzt aber durch die (vom Auftraggeber oder Auftragnehmer) bezahlte Versicherungsprämie den Kreditspielraum nicht ein, sie fördert für den Auftraggeber die Finanzierungsfähigkeit des Projekts.

NEWS: Neufassung der Leitlinie

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hat mit Wirkung zum 01.04.2017 eine aktualisierte Leitlinie für die Durchführung des Präqualifikations-verfahrens veröffentlicht.

 

Wesentliche Änderungen:

 

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